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Die Dorfkapelle in Schneeberg
Die Rettung der Kapelle in Schneeberg
Die Kirche in Biela / Bìlá

Die Dorfkapelle in Schneeberg
Ing. Karel Stein, Biela

Der Stiftung von Wegkreuzen oder Kapellen liegen oft unterschiedlichste Begebenheiten zu Grunde. Sie wurden früher von Mund zu Mund weitererzählt und lebten dann als Geschichten oder umgewandelt als Sagen weiter. Heute sind sie weitgehend in Vergessenheit geraten. Die Erlebnisgenerationen befinden sich im Jenseits und so ist man beim Aufspüren alter Erinnerungen ausschließlich auf schriftliche Unterlagen, also auf Heimatliteratur und Archivquellen angewiesen.
Versuchen wir auf diese Weise der Gründungsgeschichte der Kapelle im Dorfe Schneeberg nachzugehen, um sie wieder ins Bewusstsein zu rufen. Laut Gedenkbuch der Gemeinde Schneeberg veranlasste die Stiftung der Kapelle Graf Franz Thun-Hohenstein zum Dank der Errettung seines Töchterchens Anna (*1903) aus Lebensgefahr. Laut diesem Gedenkbuch fuhr die Komtess mit ihrer Erzieherin auf der Maxdorfer Bezirksstraße mit einem Pferdewagen. Plötzlich scheuten die vorgespannten Pferde. Der Erzieherin war es noch rechtzeitig gelungen, mit Annchen aus dem Wagen zu springen.1/ Die Stiftung kann man heute noch oberhalb des Altarraumes des Kirchleins lesen: „Erbaut von Franz Grafen von Thun-Hohenstein und Ernestine Gräfin von Thun-Hohenstein im Jahre 1910“. Den Jugendstilbau führte der Bodenbacher Baumeister Putz aus. Von den mehreren Bauplänen, die uns im Tetschen-Bodenbacher Archiv, für die Jahre 1909 bis 1910 erhalten geblieben sind, zeigen wir eine schöne Stiftzeichnung.2/ Nach der Vollendung des Baues im Jahre 1910, wurde dann die Gemeindeglocke, welche früher bei der alten Schule, Haus Nr. 86, angebracht war, in den Turm der Kapelle übertragen. Die Einweihung der Kapelle, die auch als Dorfkirche bezeichnet wurde, fand am 23. April 1911 statt. Der nachfolgende Erste Weltkrieg forderte neben unzähligen Menschenopfern auch viele Kirchenglocken unserer Heimat. Die 65 kg schwere Glocke der Schneeberger Kapelle wurde im Oktober 1917 abgenommen und für Kriegszwecke eingeschmolzen. Die Gemeinde bekam dafür 260 Kè. Nach dem Krieg, im Dezember 1919, schenkte Fürst Thun der Gemeinde eine neue Gußstahlglocke.3/
Der jetzige Grundeigentümer – die Stadt Eulau – verpachtete nach der Wende die Kapelle in der Hoffnung, dass sie der neue Pächter in Stand setzt.4/ Nachdem sich diese Hoffnung nicht erfüllt hat, bildete sich im Jahre 2009 eine Bürgervereinigung der Freunde des Hohen Schneebergs. Diese Initiative ließ 2012 einen neuen Fußboden einbauen und plant das schadhafte Dach zu erneuern.
Nach vielen Jahrzehnten wurde am 19. Juli 2008 in der Kapelle wieder Wortgottesdienst gefeiert. Es war am Samstag nach dem Feiertag Maria vom Berge Karmel.5/ Auch in den vier nachfolgenden Jahren fand hier zu diesem Termin ein Gottesdienst mit Prozession zur Dreifaltigkeitskapelle statt.6/ Wer weiß, vielleicht ist eine neue Tradition im Entstehen?
1/ Staatl. Kreisarchiv Dìèín, Archivbestand AO Snìžník, Inv. Nr. 83. (Gedenkbuch Schneeberg 1838-1938.)
2/ Staatl. Gebietsarchiv Litomìøice, Zweigstelle Dìèín, VS Dìèín. Mapy a plány, Inv. Nr. 1935.
3/ Staatl. Kreisarchiv Dìèín, Archivbestand AO Snìžník, Inv. Nr. 82. (Chronik über die wichtigsten Ereignisse von Schneeberg, Verfasser Franz Hietel, Schneeberg Nr. 28.) Die Geschichte der Rettung von Komtess Anna wird in dieser Privatchronik im Unterschied zum Gedenkbuch etwas anders geschildert.
4/ Die Kapelle wurde zwar eingerüstet, die Arbeiten blieben jedoch aus. Bei dieser Gelegenheit wurde das über dem Eingang befindliche 25 cm hohe ovale Bronzeschild mit dem Thun-Hohenstein´schen Wappen entfernt und ist seitdem verschollen.
5/ Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde das „Schneeberger Kapellenfest“ stets an dem auf dem Feiertag „Mariä Namen“ folgenden Sonntag gefeiert. (A. Herr: Heimatkreis Tetschen-Bodenbach. Nördlingen 1977, S. 654.)
6/ Über die Renovierung der 400 m entfernten Dreifaltigkeitskapelle und deren Weihe am 13. Oktober 2007 berichteten wir in TdH 12/2007 S.11-12.

Ernestine und Franz Thun mit Tochter Anna im Jahre 1912. Foto: J. F. Langhans, k. u. k. Hof- u. Kammerfotograf in Prag.
Ernestine und Franz Thun mit Tochter Anna im Jahre 1912. Foto: J. F. Langhans, k. u. k. Hof- u. Kammerfotograf in Prag.

Kapellenaltar (Aufnahme vom Inventarverzeichnis aus dem Jahre 1974, welches im Pfarrhaus in Bodenbach aufbewahrt wird.)
Kapellenaltar (Aufnahme vom Inventarverzeichnis aus dem Jahre 1974, welches im Pfarrhaus in Bodenbach aufbewahrt wird.)

Entwurf der Kapelle aus der Zeit des Baues
Entwurf der Kapelle aus der Zeit des Baues

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Die Rettung der Kapelle in Schneeberg
Ing. Karel Stein

In Schneeberg gibt es außer der großen Kapelle "Mariä Namen" noch die kleine Dreifaltigkeitskapelle.1/ Sie steht an der Straße 200 m südlich der Kammwegbaude am Kapellenhügel ("Kopallnhübl") etwa auf halbem Wege zwischen Vorder - und Hinterdorf. Aus verlässlicher Quelle erfahren wir, dass sich im Jahre 1836 darin ein auf Holz gemaltes Bild, die hl. Dreifaltigkeit darstellend, befand und dass die Gemeinde gewöhnlich für die Unterhaltung der Kapelle sorgte.2/ Ihre Existenz belegt auch die Eintragung in der Zweiten militärischen Aufnahme von Österreich, bei der die Böhmischen Länder in den Jahren 1842 bis 1852 aufgenommen wurden.3/ Im Jahre 1842 kam es neben der Kapelle zu einem dramatischen Vorfall, worüber uns das Gedenkbuch der Gemeinde Schneeberg folgendes berichtet:
"1842, den 10. Oktober Vormittag ackerte Ignaz Werner, Gärtner Nr. 25 mit einem Ochsen und einer Kuh auf dem sogenannten Kapellenhügel Erdäpfel aus; gegen 9 Uhr, als er auf der Mitte des Hügels, 5 Klafter nördlich hinter der Kapelle, brach die zur Rechten gespannte Kuh durch, und stürzte, indem ihre Kopfkette riss, in einen, darselbst keineswegs vermutheten, alten, 10 Ellen tiefen, 4 Ellen langen und 2 Ellen breiten Bergschacht, in welchem sich unten 4 1/2 Elle hoch Wasser befand, und welcher kaum mit 18 bis 20 Zoll Erde bedeckt seyn konnte. Auf den Hilferuf des Ackermannes eilten sogleich alle in der Nähe beschäftigten Feldarbeiter herbei, und die hinabgestürzte Kuh wurde mittels an ihren Hörnern befestigten Seilen binnen 3/4 Stunden mit vieler Mühe lebendig herausgezogen und gerettet."
Als Dank für die Rettung ließ im Jahre 1844 der damalige Besitzer Ignaz Werner Nr. 25 die Kapelle neu erbauen.4/ Zu Andachten oder Bräuchen, die mit diesem Flurdenkmal verknüpft waren, konnten leider keine Hinweise gefunden werden. Sicher ist nur, dass sie außen verputzt war und dass sich im dreieckigen Giebel eine kleine Nische für eine Heiligenfigur befand. Von den jetzigen Einwohnern Schneebergs konnte in Erfahrung gebracht werden, dass sich nach 1945 die Frau Ježová noch einige Zeit um die Kapelle gekümmert hat. Sie brachte stets Blumenschmuck und zündete neben der blauen Gottesmutterstatue eine Kerze an. Dann verkam das Kapellchen nach und nach. Obwohl es aus Stein gefügt war, machten ihr die unwirtlichen Witterungsverhältnisse von Schneeberg zu schaffen - das Dach zerfiel und Niederschläge und Frost taten das übrige. Im Jahre 1990 stand hier nur noch eine trostlose Ruine, auf der Unkraut wucherte und die wegen ihrer Lage am Straßenrand als Müllabladeplatz genutzt wurde. Auch die steinerne Türeinfassung drohte einzufallen.
Die Rettung kam buchstäblich in letzter Minute. Sie ist Petr Zámiš aus Tetschen zu verdanken. Nach und nach, Stück für Stück arbeitete er in seiner Freizeit über ein Jahrzehnt lang an der Wiederherstellung der Kapelle. Seine Entschlossenheit und sein Mut, mit denen er sich der traurigen Kapellenruine annahm, finden kaum ihresgleichen. Manchmal unterstützten ihn sein Vater oder Freunde. Nach den abgeschlossenen Bauarbeiten wurde an der Altarwand ein eindrucksvolles Ölgemälde der Heiligen Dreifaltigkeit angebracht.5/ Die feierliche Einweihung konnte am 13. Oktober 2007 stattfinden und wurde vom Bodenbacher Pfarrer František Jirásek durchgeführt. Es war ein warmer und sonniger Samstagnachmittag. Der Altweibersommer lockte an die 50 Personen an, die sich um die Kapelle scharten. Sie beteten und sangen Lieder und Psalmen. Man vergaß auch nicht, die Verdienste des Erbauers sowie des Retters der Kapelle zu würdigen. Beide haben etwas gemeinsam - sie haben die Kapelle aus Dankbarkeit und Liebe wieder entstehen lassen.
Die Menschenschar löste sich nur langsam auf. Einige fotografierten noch, andere nahmen zu Fuß ihren Heimweg. An den Wiesenhängen des Hohen Schneebergs ließen Kinder Drachen steigen. Die Sonnenstrahlen durchwärmten die Atmosphäre der Freude über die Kapellenweihe und das gelungene Werk. Ist es nicht merkwürdig, dass eine kleine unbedeutende Kapelle alle durchgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, die unsere Heimat durchgemacht hat, überdauerte? Als ob hier überirdische Kräfte am Werk gewesen wären. Als ob nur das dauerhaft wäre, was Liebe und Dankbarkeit geschaffen haben.6/
1/ Schon zu Beginn der Reformation soll Schneeberg eine Bergmannskapelle besessen haben, von der aber nichts bekannt ist. Alfred Herr: Heimatkreis Tetschen-Bodenbach. Nördlingen 1977, S. 654.
2/ Standbilderverzeichnis des Pfarrsprengels zu Eulau von 1836. (Leitmeritzer Staatsarchiv, Zweigstelle Tetschen, VS Dìèín, sign.: B/14 I 269/19.)
3/ Die Kapelle wird hier durch ein Kreuz an der Straße dargestellt, einige Meter südlicher als in Wirklichkeit, das wohl infolge der damaligen Darstellungsgenauigkeit der Karte. (Zweite militärische Aufnahme von Österreich. Maßstab 1 : 28800. Österreichisches Staatsarchiv, Blatt W-3-I).
4/ Gedenkbuch der Gemeinde Schneeberg 1838 - 1945. (Leitmeritzer Staatsarchiv, Zweigstelle Tetschen, fond AO Snìžník, Inv. Nr. 3.
5/ Als Vorlage diente der Tetschner Malerin Radka Kotrejchová die bekannte Darstellung von El Greco.
6/ Dieses Phänomen finden wir auch in anderen Landschaften, z. B. im Böhmerwald. An der Stelle vollkommen zerstörter Siedlungen, blieb oft ein Kreuz stehen.

Kapelle in Schneeberg
Kapelle in Schneeberg

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Die Kirche in Biela / Bìlá
Ing. Karel Stein

Biela bei Bodenbach gehörte ursprünglich zum Pfarrsprengel Rosawitz und wurde 1852 zur selbständigen Pfarrei erhoben. An der Stelle der jetzigen Kirche stand zunächst eine Dorfkapelle. Die Pfarrkirche, die dem hl. Franziskus Xaver geweiht ist, wurde 1787 / 1788 von J. W. Kosch aus Mitteln des Religionsfondes erbaut. Sie hat einen einschiffigen Langraum und an der Westseite einen viereckigen Turm. Die Inneneinrichtung ist barock und stammt überwiegend aus dem 18. Jahrhundert. Das auf der Pfarrwiese stehende Pfarrhaus mit Mansardendach wurde 1789 erbaut.
Die letzten deutschen Seelsorger in Biela waren Theodor Trompeter (von 1920 bis 1939) und Pfarrer Ernst John (von 1939 bis 1946). Letzterer nahm nach der Vertreibung seine seelsorgerische Tätigkeit in Schönau-Bruck wieder auf, nachdem er vorher in Eggenfelden, Stubenberg, Krs. Pfarrkirchen und Malching/Inn gewirkt hatte.
Ab 1946 wurde die Pfarrgemeinde von Bodenbach aus betreut. Später mußten die Gottesdienste eingestellt werden. In den Jahren 1960/61 wurde das Kirchendach neu gedeckt und der Turm ausgebessert. Die Kosten betrugen 100 000 Kronen und wurden vom Staat beglichen. In der nachfolgenden Zeit diente das Kirchenschiff als Lagerraum für die Innenausstattung aus anderen Kirchen, z. B. aus Rosawitz. Unterdessen setzte der Verfall ein. Das Dach wurde undicht, das durchsickernde Wasser beschädigte Gewölbe und Decke des Kirchenschiffes und die farbigen Fensterscheiben wurden eingeschlagen.
Im Jahre 2000 wurde mit der Renovierung des Kirchturmes und des Dachstuhls begonnen. Zum Jahresabschluss 2001 war der Kirchturm vollendet, er bekam eine neue Bretterverschalung mit Schieferdeckung einschließlich Kupferdach. Auch die beschädigten Tragbalken des Daches wurden ausgewechselt oder chemisch behandelt und auch das Kirchenschiff bekam in den darauffolgenden Jahren ein neues Dach. Obwohl die Fassade und die Ausmalung der Kirche noch restaurierungbedürftig sind, konnte der weitere Verfall aufgehalten werden. 2004 und 2005 wurde auch der Innenraum der Kirche gereinigt und in Ordnung gebracht.
Die Kirche ist dem hl. Franziskus Xaverius, dem Apostel von Indien und Japan, geweiht. Am 3. Dezember 2005, seinem Namenstag, wurde hier nach vielen Jahrzehnten wieder eine Messe gelesen. Wir werden versuchen, in dieser Tradition fortzufahren. Informieren Sie sich und kommen Sie auch!

Biela 1945
Biela 1945

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